Freiraumlabor

Magdeburg

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Freiraumlabor – Ein Herz für Magdeburg

Im Juni 2020 wagte die Stadt Magdeburg gemeinsam mit der META architektur GmbH ein Experiment. Das Pilotprojekt im Herzen der Landeshauptstadt Magdeburg verwandelte die Transitzone Nordabschnitt Breiter Weg für vier Wochen in einen vielfältigen, öffentlichen Raum, der zu einem sozialen und kulturellen Erlebnis- und Verweilraum wird.

 

„Wo bitte geht’s zur Innenstadt?“ Wer kennt sie nicht? Die Mutter aller Fragen umherirrender Touristinnen und Touristen in Magdeburg entlang der innerstädtischen Magistrale. Der Breite Weg – Name ist Programm. Der rund 500 Meter lange Abschnitt besticht in seiner Erscheinung vorrangig durch Licht, Luft und Sonne. Was erstmal erfreulich klingt, bringt den Umstand mit sich, dass sich ein behagliches Wohlgefühl bei so viel Platz nicht so recht einstellen will.

Expertise

Quartiersentwicklung

Leistungen

Stakeholdermanagement, Handlungskonzept

Auftraggeber Typologie
Landeshauptstadt Magdeburg Leben
ExpertiseLeistungen
QuartiersentwicklungStakeholdermanagement, Handlungskonzept

„Das Freiraumlabor lockte die Menschen nicht nur zum Shoppen vor die Tür. Die Leute kamen, um etwas zu erleben und ihren Mitmenschen zu begegnen.“

Wie kriegen wir mehr Leben in diesen Teil der Innenstadt?


Hier greift ein einfaches Grundprinzip: Der Mensch ist des Menschen größte Freude. Das Freiraumlabor lockte die Menschen nicht nur zum Shoppen vor die Tür. Die Leute kamen, um etwas zu erleben und ihren Mitmenschen zu begegnen. Darin erschließt sich grundlegend die Idee einer Stadt. Der Breite Weg muss auch als Begegnungs- und Kommu­nikationsraum gestärkt werden. Die Menschen sollen kommen, um einfach in der Sonne zu sitzen. Der Breiter Weg wurde der Place to be und lud dazu ein, einen Teil seiner alltäglichen Freizeit und Erholung, sozusagen einen Teil der Privatsphäre, im öffentlichen Raum auszuüben, der ihnen dafür den Raum für ihre Handlungen bietet. Menschen gehen dorthin, wo andere Menschen sind. Das ist banal, aber entscheidend für das Funktionieren eines Stadt­raumes.

Der Platz vor dem Hotel Ratswaage wurde für vier Wochen zum schönsten Platz in Magdeburg. Raumkanten sorgten für Behaglichkeit, beim Warten auf die Kaffeebestellung am Foodtruck hat man Zeit die Künstler*innen auf der offenen Bühne zu bestaunen. Man kam ins Gespräch. In den oberen Etagen guckten die Opis und Omis auf Kissen gestützt dem Treiben zu.

„Die ohnehin gemachten Wege der Menschen vor Ort lassen sich mit einfachen Interventionen im öffentlichen Raum steuern und gar zentrieren – so kam das Leben hierher.“

Grundlegende Gestaltungsprinzipien kamen zur Anwendung:

 

1. Knochenprinzip:

Sogenannte Magneten, die viele Menschen anziehen, werden stets an den gegenüberliegenden Enden eines Einkaufscenters untergebracht – Knochenprinzip heißt das im Fachjargon. Eine Methode, derer wir uns für das Freiraumlabor bedienten. Ein Erfolgskonzept, mit wir einen Ort beleben, aus dem Stück Stadt einen Raum und diesen komplett neu erlebbar machen.

Konkret hieß das, wir definierten und gestalteten zwei Plätze – Spiel & Sport am Universitätsplatz (Volleyballplatz) sowie Kunst & Kultur am Ratswaagehotel (Open Stage). An beiden Spots gab es Streetfood. Entlang des Knochens wandten wir das Gestaltungsprinzip der bespiel- und besitzbaren Stadt an. Die Methode ermöglichte eigenständige Mobilität im Stadtraum und förderte das Zufußgehen nachhaltig, indem es den Weg attraktiv machte, und zwar für alle Generationen gleichermaßen.

 

Dem Nordabschnitt Breiter Weg fehlte es an Orten zum bloßen Verweilen. Zwar bringen das Opernhaus, das Konservatorium und die Bibliothek hohe Fußgängerfrequenzen, aber diese verlieren sich überall und nirgends. Dem abgeriegelten Unigelände fehlte gänzlich eine Anbindung in den Bereich. Hier sahen wir auch die größten Potentiale für das Freiraumlabor. Die ohnehin gemachten Wege der Menschen vor Ort lassen sich mit einfachen Interventionen im öffentlichen Raum steuern und gar zentrieren – so kam das Leben hierher.

2. Räume bilden:

Dem städtischen Raum fehlte es hier an Kanten, an Begrenzungen, an einem Anfang und einem Ende sowie an urbaner Dichte. Vor dem Hotel Ratswaage jedoch, ließen sich bei genauerem Hinsehen, Merkmale eines Platzes erkennen. Der Ort hat das Potential, einfachen Gestaltungsprinzipien folgend, ein urbaner Platz mit hoher Aufenthaltsqualität zu werden. Klar definierte Raumkanten sowie Raum für Kunst und Kultur lockten die Menschen hier her. Entlang des Weges entstanden mit Hilfe baulicher Interventionen mehrere kleine Räume, bevor man dann auf den zweiten großen Platz, auf Höhe des Uniplatzes, gelangte.

„Mit dem Gestaltungsprinzip der bespielbaren Stadt machten wir den öffentlichen Stadtraum zu Spielraum. Wir setzten die Menschen in Bewegung.“

3. Die bespielbare Stadt:

Der Weg ist das Ziel – unterschreiben wir genau so. Viele Menschen kannten den Breiten Weg nur als Wegstrecke, aber nie als Auszeit­raum. Schnell Besorgungen machen, mit dem Rad rüber zur Uni, das Kind im Konservatorium abliefern, den Bus noch fix erwischen und und und… Mit dem Gestaltungsprinzip der bespielbaren Stadt machten wir den öffentlichen Stadtraum zu Spielraum. Wir setzten die Menschen in Bewegung. Mit den Spielräumen gaben wir allen Langsamen in der Stadt, wie beispielsweise Senior*innen und Kindern, die Möglichkeit sich spielerisch auf dem Weg zu bewegen und Pausen zu machen. Abwechslungsreiche Wege, die man gerne geht, weil das Gehen Freude bereitet und Spaß macht, bringen allen Bewohner*innen und Besucher*innen eine bessere Lebensqualität. Kleine, auch bauliche, Interventionen, nicht eindeutig definierte Objekte, bunte Farbe – all das ludt zum Spielen, Springen, Hüpfen und Verweilen ein. Der Mensch ist des Menschen größte Freude und deshalb sitzt man zwischendurch einfach da und guckt anderen Menschen dort beim Mensch sein zu.

4. Begegnungen schaffen & Verweilen:

Die urbane Dichte einer Stadt gilt als Maß, welches soziales Handeln begünstigt oder erschwert. Das Empfinden und Generieren von sozialer Distanz ist abhängig vom Verhältnis räumlicher und baulicher Nähe. Hier setzten wir an. Der Breite Weg musste auch als Begegnungs- und Kommu­nikationsraum gestärkt werden. Die Besucher*innen im Untersuchungsgebiet waren sehr lokal. Hier trafen Rentner*innen aus den Wohnhäusern auf Student*innen der Uni, auf Kinder aus dem Konservatorium, auf das Publikum im Opernhaus, auf internationale Künstler*innen usw. Außer an den Knochenenden, am Hotel Ratswaage sowie an den Uniplatz, gesellten sich Besucher*innen und Gäste. All diese Menschen wollten wir in Bewegung setzen, sie einladen den Weg zu erkunden und vor allem: den Menschen hier zu begegnen.

„Auf spielerische Weise untersuchten wir die Lebenswelten des Alltags und ermutigten die Bewohner*innen, sich einzumischen.“

5. Partizipation:

„Ich! bin die Stadt.“ Das sollte nach Ablauf des Freiraumlabors in allen Köpfen hängen geblieben und die Frage: „Liebt Dich Deine Stadt?“, eindeutig mit ja zu beantworten sein.
Wie erleben die Magdeburger*innen ihren Stadtraum rund um den Breiter Weg? Wo erscheint er ihnen weit oder eng? Wie erleben, bewerten, fühlen, wie nutzen und prägen sie ihn? Auf spielerische Weise untersuchten wir die Lebenswelten des Alltags und ermutigten die Bewohner*innen, sich einzumischen.

6. Um neben der intensiven Beteiligung einen identitätsstiftenden Raum zu generieren, holten wir uns Magdeburger Akteur*innen ins Boot, die das urbane Leben hier aktiv mitgestalten. Die Ideen sollten dabei nicht von oben angeordnet und aufgesetzt werden, sondern aus der Bevölkerung heraus generiert werden. Etab­lierte Formate wie bspw. das Fassadenkino machten den Ort neu erlebbar und erschloßen sich neues Publikum.

Der Ansatz des Freiraumlabors hat Magdeburg die Chance eröffnet, in einem bundesweit seltenen Verfahren an einer stadtbildprägenden Stelle ihre eigene Innovationskraft zu zeigen. Es bot die Möglichkeit, eine neue urbane Stadtkultur entstehen zu lassen, die Impulse zur Kulturhauptstadtbewerbung setzte. Die Einbindung von Bürger*innen der Stadt, die Möglichkeit der Mitgestaltung der Stadt und die kontinuierliche Erzeugung von Neuem in der Innenstadt motivierte Menschen zum häufigeren Besuch und ludt sie mit einer neuen urbanen Qualität zum Verweilen ein. So wird die Stadt belebt: Wo Menschen sind, da kommen auch weitere Menschen hinzu.

Projektdetails

Dauer

4 Wochen

Investition

150.000 €

Anzahl Akteur:innen

> 40

Anzahl Veranstaltungen

90

Mitarbeitende

Gina Maria Mund, Franziska Briese, Sebastian Schulze

Ort

Magdeburg

Typologie

Leben

Expertise

Quartiersentwicklung

Leistungen

Stakeholdermanagement, Handlungskonzept

Fotografien

Harald Krieg, Alexander Fricke

DauerInvestition
4 Wochen150.000 €
Anzahl Akteur:innenAnzahl Veranstaltungen
> 4090
Auftraggeber Mitarbeitende
Landeshauptstadt Magdeburg Gina Maria Mund, Franziska Briese, Sebastian Schulze
Ort Typologie
Magdeburg Leben
ExpertiseLeistungen
QuartiersentwicklungStakeholdermanagement, Handlungskonzept
Fotografien
Harald Krieg, Alexander Fricke

Ansprechpartner


Sebastian Schulze

Geschäftsführung
+49 (0)391 5840 966
s.schulze@metaarchitektur.de

Sebastian Schulze

Geschäftsführung
+49 (0)391 5840 966
s.schulze@metaarchitektur.de

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